
Seamus Heaney
Seamus Heaney (1939-2013), von einigen als der "größte irische Dichter nach William Butler Yeats" bezeichnet, wurde als ältester von neun Kindern in eine Bauernfamilie in der Grafschaft Mossbawn, County Derry, Nordirland, geboren. Er studierte (und lehrte später) englische Literatur an der Queen's University in Belfast. Sein literarisches Debüt gab er 1966 mit der Gedichtsammlung "Death of a Naturalist" ["Tod eines Naturforschers"]. Es folgten die Gedichtsammlungen: "Door Into the Dark", 1969, "Wintering Out", 1972, "Stations", 1975, "North", 1975, "Field Work", 1979, "Station Island", 1984, "Haw Lantern", 1987, "Seeing Things", 1991, "The Spirit Level", 1996, "Electric Light", 2001, "District and Circle", 2006 und "Human Chain", 2010. Als Katholik und überzeugter Befürworter der territorialen Integrität Irlands war er 1972, im Jahr des "Bloody Sunday", gezwungen, Belfast zu verlassen und sich dauerhaft in der Republik Irland niederzulassen, wobei er seine Zeit zwischen Dublin und Boston aufteilte, wo er Literatur lehrte. Von 1989 bis 1994 war er Professor für Poesie an der Universität Oxford und von 1981 bis 1997 an der Harvard University. 1995 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen; die Nachricht erreichte ihn auf dem Peloponnes, einer Arkadien, zu der er, wie er selbst sagte, sowohl er als auch seine Gedichte immer wieder zurückkehren. Er wurde auch zu Lebzeiten mit zahlreichen anderen Preisen ausgezeichnet, darunter der Geoffrey Faber Memorial Prize (1968), der E. M. Forster Award (1975), der PEN Translation Prize (1985), der Golden Wreath of Poetry (2001), der bedeutende T.S. Eliot Prize (2006, für die Sammlung "District and Circle"), der Forward Prize (2010, für die Sammlung "Human Chain") sowie zwei Whitbread-Preise (1996 und 1999). Von 1988 bis 2006 war er Poet in Residence an der Harvard University. Seamus Heaney war auch ein aktiver Essayist, Übersetzer und ein beständiger Unterstützer der Literatur, mit seinen Büchern und Vorträgen nach dem Nobelpreis. Er verfasste unter anderem Theateradaptionen von Sophokles' "Philoctetes" und "Antigone" ("The Cure at Troy", 1990, und "The Burial at Thebes", 2004, jeweils), Übersetzungen des epischen "Beowulf", 1999, und des Gedichts "Arion" von Puschkin, 2002, u.a. Im Jahr 2010 erlitt er einen Schlaganfall und war vorübergehend gelähmt, eine Erfahrung, die er im Gedicht "Miracle" aus seiner letzten Sammlung "Human Chain" erzählte. Er starb unerwartet nach kurzer Krankheit in Dublin am 30. August 2013 im Alter von 74 Jahren.