
Pierre Loti
Pierre Loti wurde 1850 geboren und verstarb 1923. Er diente zweiundvierzig Jahre lang als Marineoffizier, was ihm die Gelegenheit gab, fast die ganze Welt zu bereisen und längere Zeit außerhalb Frankreichs zu verbringen. Ein unruhiger und melancholischer Geist, geplagt von einer ständigen Angst vor der Zeit, suchte Loti in exotischen Ländern Zuflucht, die fast alle seine Werke inspirierten. Er erwies sich als sensibler und einfühlsamer Beobachter, der besonders aufmerksam auf die Folgen der Kolonialpolitik Frankreichs und Englands war. In seinen Romanen, die viele autobiografische Elemente enthalten, legt er weniger Wert auf die Handlung und mehr auf die Atmosphäre, die er mit der Geschicklichkeit eines Impressionisten beschreibt, sodass er es schafft, den Leser zu seinem Mitreisenden zu machen. Von der Türkei in "Desenchantee" (1906) und "Aziyadé" (1879) bewegt er sich zu den Naturschönheiten Ozeaniens mit "Rarahu" (1880), später betitelt als "Die Hochzeit des Loti", und zum sinnlichen und tragischen Afrika mit "Der Roman eines Spahis" (1881), um schließlich in Japan mit "Madame Chrysanthème" (1888) anzukommen, das Puccinis Oper "Madame Butterfly" inspirierte. Überall sind seine Beschreibungen ein Genuss, ein origineller Reiseführer, der in die Tiefen jedes Ortes und seiner Menschen eintaucht. 1921 erlitt er einen Schlaganfall und konnte nicht mehr schreiben. Er nahm im Juni 1923 seinen letzten Atemzug, aufgrund eines Lungenödems. Sein Heimatland hatte ihn bereits 1891 geehrt, indem es ihn zum Mitglied der Académie française wählte.