Sie lebte auf dem Friedhof wie ein Baum. Bei Sonnenaufgang verabschiedete sie die Krähen und begrüßte die Fledermäuse, die zum Schlafen umherflogen. Bei Sonnenuntergang machte sie das Gegenteil. In den Zwischenstunden unterhielt sie sich mit den Gespenstern der Vögel, die hoch in den Ästen saßen. Sie fühlte die sanfte Umklammerung ihrer Krallen, wie den Schmerz, den man in einem amputierten Glied empfindet. Sie glaubte, dass sie letztendlich kein Unglück empfanden, weil sie sich verbeugt hatten und endgültig von der Bühne gegangen waren.
Als sie erstmals kam, hielt sie Monate lang sporadischer Härte stand, so wie ein Baum – ohne zu zittern. Sie drehte sich nicht um, um zu sehen, welcher kleine Junge ihr einen Stein geworfen hatte, sie streckte den Hals nicht aus, um die Beleidigungen zu lesen, die in ihre Rinde eingraviert waren. Wenn sie verspottet wurde, wenn man ihr allerlei sagte – dass sie ein Clown ohne Zirkus sei, eine Königin ohne Palast – ließ sie die Schläge durch ihre Äste hindurch wie einen Windzug passieren; und die Musik des Raschelns ihrer Blätter war das Balsam, das den Schmerz milderte.