Der Inhalt von „Die Therapie des Schopenhauer“ ist erneut ein psychotherapeutisches Abenteuer, das jedoch nicht mehr im geschlossenen System der individuellen Psychotherapie stattfindet. Der Autor führt den Leser hier in einen neuen therapeutischen Raum ein. Wenn uns „Als Nietzsche weinte“ ein Fenster in das vorpsychoanalytische Wien öffnete, wenn „Am Divan“ uns die Gemeinschaft der individuellen Psychotherapie in Amerika vorstellte, so versetzt uns dieses Werk hinter den einseitigen Spiegel, um den Mikrokosmos der Gruppentherapie zu beobachten.
Irvin D. Yalom verkleidet seine didaktische Absicht in „Die Therapie des Schopenhauer“ keineswegs: Er hat hier die Geschichte so konzipiert und zusammengestellt, dass sie die Theorie und Methoden der Gruppentherapie lehrt, sowie philosophische Grundlagen der psychoanalytischen Theorie, die Beziehung (und den Gegensatz) zwischen Philosophie und Psychotherapie behandelt, sowie Fragen aufwirft, die auch in seinen früheren Büchern behandelt werden: Wie beeinflussen große existentielle Probleme unsere Beziehungen und Entscheidungen, was ist heilend im therapeutischen Prozess und welche Merkmale kennzeichnen einen guten Psychotherapeuten.
Im Verlauf der Handlung - in der die Person, die das verbindende Glied zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit darstellt, Philip Slate ist, ein Mann mit einer quälenden sexuellen Obsession, der glaubt, geheilt zu sein, indem er die Weltanschauung von Arthur Schopenhauer angenommen hat und sein Leben nach ihm als Vorbild gestaltet - mischt Yalom kurze Lektionen über das Leben und Werk des pessimistischen deutschen Philosophen (1788-1860) ein.
Der Meister der Charakterbeschreibung, Yalom äußert psychoanalytische Hypothesen zur Formation von Schopenhauers Psyche und verfolgt sein Leben mit solch einem Mitgefühl, dass der Leser eine große Zärtlichkeit für den menschenfeindlichen Philosophen, aber auch für den Menschen empfindet, der die „Reinkarnation“ des Philosophen in der Gegenwart darstellt, den frostigen und unmenschlichen Philip Slate in seiner Isolation.
In „Die Therapie des Schopenhauer“ zeigt Yalom mehr als in jedem anderen Werk sich selbst mit der geringsten Verkleidung. Aus Sicht des Prozesses ist das Schreiben dieses Buches also ein Akt der Transparenz des Autors. Abgesehen von der transformativen Kraft der Psychotherapie für die Therapierenden und der Anziehung, die sie auf die Lernenden ausübt, zeigt Yalom dem Leser mit größtmöglicher Anschaulichkeit die lebensspendende Kraft der Psychotherapie für den Therapeuten selbst.
Der Akt des Schreibens von „Die Therapie des Schopenhauer“ lässt zudem erkennen, wie viel Lebenskraft die literarische Schöpfung dem Autor selbst bietet.
Hersteller
- Autor
- Irvin D. Yalom
- Verleger
- Agra
- Ursprünglicher Titel
- Die Schopenhauer-Kur
- Verlage
- Jagd
- Typ
- Prosa
- Abdeckung
- Weich
- Anzahl der Seiten
- 493
- Veröffentlichungsdatum
- 4/2021
- Veröffentlichungsdatum
- 2021
- Abmessungen
- 14x21 cm
- ISBN-13
- 9789603255840
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