Dennoch ist das Chronik eines vorhergesagten Todes vor allem ein genaues und effektives Werk der Uhrmacherkunst. Die Ereignisse, die sich um den Tod von Santiago Nasár drehen, werden vom Erzähler eins nach dem anderen rekonstruiert, der jedes Mal mit den Zeugenaussagen der Hauptakteure die notwendigen Informationen hinzufügt, um die Mauer ausgewogen aufzubauen, die Neugier des Lesers zu zügeln und einen ehrgeizigen erzählerischen Kern zu schaffen, der sich von der Vielstimmigkeit nährt. Die Stimmen all jener, die Jahre später erinnern, gestehen oder einige neue Details des Verbrechens verschweigen, eine Nuance, die die Tragödie ergänzt. Denn letztlich ist auch das Chronik eines vorhergesagten Todes eine moderne Tragödie. Die Figuren werden von Kräften in Bewegung gesetzt, die sie nicht kontrollieren.
Die Brüder Vícario, die Mörder, sind gezwungen, ihrem Schicksal zu folgen, das darin besteht, die Ehre ihrer Schwester wiederherzustellen, indem sie Santiago Nasár töten. Doch keiner von beiden will es tun, und wie der Erzähler sagt: „Sie taten viel mehr, als man sich vorstellen kann, um sie daran zu hindern, ihn zu töten, und sie schafften es nicht.“ Der Oberst Apónte, der Bürgermeister, warnt sie durch die Stimmen und entwaffnet sie. Vergeblich, denn es ist viel zu früh, und die Brüder haben Zeit, widerwillig die Messer zu ersetzen.