Ian Marsh ist Universitätsprofessor und Forscher in Großbritannien und hat im britischen National Health Service (NHS) zum Thema „Prävention von Suizid“ gearbeitet. Er stellt somit eine Form des „spezialisierten Intellektuellen“ dar, gemäß der Definition von Michel Foucault, dessen theoretische Werkzeuge Marsh in seinem bedeutendsten Werk mit dem Titel Suicide: Foucault, history and truth (Suizid: Foucault, Geschichte und Wahrheit) verwendet hat.
In dem Essay „Die Verwendungen der Geschichte in der Rekonstruktion des modernen Suizids“ untersucht Marsh die Rolle, die der wissenschaftliche Diskurs der Medizin (und später die sogenannten Psychologen) in der Moderne bei der „Konstruktion“ des modernen Suizids gespielt hat, und damit die Möglichkeit, dass das Schreiben der Geschichte dieser Diskurse zur „Rekonstruktion“ des medizinisierten Suizids, wie er im 19. Jahrhundert aufkam, beitragen kann, sowie des „Wahrheitsregimes“, das als epistomologisches und politisches Fundament dient.
In dem Essay „Die Konstitution des queeren Suizids: Die problematische Figur des „suizidalen Homosexuellen“ im psychiatrischen Diskurs“ identifiziert Marsh die Spuren der wissenschaftlichen Diskurse, durch die die Figur des „suizidalen Homosexuellen“ historisch im Rahmen des psychiatrischen Diskurses und der psychiatrischen Praxis in Begriffen von „Pathologie“ konstituiert wurde. Die Art und Weise, wie der dominante psychiatrische Diskurs selbst heute noch die „Suizidalität“ von Mitgliedern der LGBTQI-Community konstruiert und bezeichnet, verdeutlicht die Unfähigkeit der Psychiatrie, dem Dilemma von „normal-pathologisch“ zu entkommen.
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