Wenn wir einander von Angesicht zu Angesicht betrachten, sieht niemand von uns nur ein Gesicht, das hasst – nein, wir schauen in den Spiegel.[…] Erkennen Sie sich wirklich nicht in unserem Antlitz wieder? Standartenführer der SS Lies gegenüber dem alten Bolschewisten Mostowskoi, Basili Grosman, Leben und Schicksal
Freiheit ist eine schwere Last, und eine schreckliche, seltsame Bürde für die Seele, die sie trägt. […] Sie ist kein Geschenk, das man erhält, sondern ein Weg, der gewählt wird, und die Wahl kann schwer sein. Ursula Le Guin, Die Gräber von Atuan
Das Manuskript des Hauses Arndua
Nur die Toten dürfen Statuen werden, doch meine Statue wurde mir zu Lebzeiten gegeben. Ich bin bereits versteinert. Die betreffende Statue war ein kleines Zeichen der Dankbarkeit für meinen vielfältigen Beitrag – wie die lobende Erwähnung, die laut vorgelesen wurde, von der Göttin Vidala. Die Gestaltung wurde uns von unseren Vorgesetzten übertragen, und sie vermittelte keinen Hauch von Dankbarkeit. Ich dankte ihr mit so viel Demut, wie ich aufbringen konnte, und zog dann das Seil, um den Stoffvorhang zu lösen, der mich verhüllte; das Tuch fiel mit einem Flattern zu Boden, und ich stand auf dem Podest. Im Haus Arndua bejubeln wir keine Jubelrufe, aber ein diskreter Applaus folgte der Enthüllung. Ich neigte den Kopf mit einer Geste.
Meine Statue übertrifft in der Größe den Menschen, wie es bei Statuen üblich ist, und stellt mich jünger, schlanker und in besserer körperlicher Verfassung dar, als ich es seit langem bin. Ich stehe aufrecht, mit geraden Schultern, die Lippen zu einem beharrlichen, aber gutmütigen Lächeln verzogen. Mein Blick ist auf einen himmlischen Bezugspunkt gerichtet, der, wie angedeutet wird, meinen Idealismus widerspiegelt, meine unbeirrbare Hingabe an die Pflicht, die Entschlossenheit, mit der ich trotz aller Hindernisse in die Zukunft schreite.