Der Eintritt von Jagger war kein einfacher Sprung auf das Podest, sondern ein langsames, schleppendes Gehen über den roten Teppich von hinten auf der Bühne, um den Zuschauern zu ermöglichen, das Wunder in seiner ganzen Pracht aufzusaugen. Dieses noch dichte Haar, geschnitten im jugendlichen Retro-Stil der ’60er Jahre, ohne auch nur ein graues Haar. Dieser dezente Hochglanzanzug, passend für den Anlass, betonte gleichzeitig die Beweglichkeit seines schlanken Körpers und den leichten, sportlichen Schritt. Nur das Gesicht verriet seine 65 Jahre – die berühmten Lippen, für die man einst sagte, sie könnten ein Ei aus dem Hintern eines Huhns saugen, jetzt eingesogen und blass; die Wangen mit tiefen Furchen, die wie schreckliche Narben wirkten.
Der Beifall des Publikums passte eher zu einer riesigen offenen Fläche wie Wembley oder dem Dodger Stadium als zur Royal Opera oder zur British Academy of Film and Television Arts. Trotz der ständig wachsenden Arten des „neuen Rock ’n’ Roll“ wissen alle, dass es nur eine echte Sorte gibt und dass Mick Jagger deren unbestrittene Verkörperung bleibt. Er antwortete mit seinem unerschütterlichen Lächeln, einem rauen „Allaw!“ und einer improvisierten Demonstration seiner rock’n’roll-revolutionären Rebellion: „Seht ihr? Ihr dachtet, Jonathan würde alle Flüche sagen, aber letztlich hat sie Mickey gesagt…“
Danach änderte sich seine Stimme, wie sie es immer tut, um der Gelegenheit zu entsprechen. Jahrzehntelang sprach Jagger mit dem sogenannten „Mockney“-Akzent, dem bekannten „Estuary English“, dessen verzerrte, gedehnte Vokale und die stummen „t“s das Markenzeichen des jungen Coolness in Großbritannien sind. Aber hier, inmitten der Crème de la Crème der britischen Standardaussprache, war die Aussprache jedes seiner „t“ kristallklar, jedes „h“ wurde mit akribischer Luftaustreibung ausgesprochen, während er sagte: „what an honour it was to be here tonight“, und weiter enthüllte, „how it all came about“.