Der 24-Stunden-Alltag? Ein Höllenlauf der Ablenkung. Wir verbringen ganze Stunden vor Bildschirmen, mit ständigen Benachrichtigungen, endlosen Nachrichten, Anfragen, Informationen, unbestätigten Nachrichten, Fotos, Videos. Die Geräte, die wir in der Hand halten, rufen uns, verfolgen uns, besitzen uns. Sind wir etwa zu Goldfischen geworden, ohne jede Möglichkeit, anders zu leben, unfähig zu denken oder zu hoffen, Gefangene der absoluten Transparenz, versunken im Ozean des Internets und der sozialen Medien, der Kontrolle der Algorithmen unterworfen?
Diese Entwicklung war nicht genau vorhergesehen. Doch mit unerschütterlicher Entschlossenheit haben die neuen Imperien ein Modell digitaler Selbstversklavung aufgebaut, ohne Schutzmaßnahmen und ohne präventive Strategien. Im Kern dieser Entwicklung steht kein technologischer Determinismus, sondern ein Programm, das den Übergang zu einer neuen Form des Kapitalismus kennzeichnet. Dies ist die Aufmerksamkeitsökonomie, die Ökonomie der neun Sekunden, die versucht, die Produktivität der Zeit zu steigern, um noch mehr Wert daraus zu extrahieren.
Die Zeit wird also durch ihre Kompression verlängert, sie ist zu einem endlosen Jetzt geworden. Die Beschleunigung hat die Gewohnheit mit der Aufmerksamkeit und die Befriedigung mit der Sucht ersetzt. Es ist an der Zeit, außerhalb unseres Glases nachzudenken. Die Aufmerksamkeitsökonomie untergräbt nach und nach all unsere Bezugspunkte: unsere Beziehung zu den Medien, zum öffentlichen Raum, zum Wissen, zur Wahrheit, zur Information. Nichts entgeht ihr...
Die Deregulierung der Informationen, die „Fake News“, die Hysterie der öffentlichen Diskussion und die allgemeine Skepsis sind keine Produkte eines technologischen Determinismus, noch resultieren sie aus dem Verlust kultureller Bezugspunkte menschlicher Gemeinschaften. Der Zusammenbruch der Information ist die Hauptfolge des wirtschaftlichen Regimes, welches von den Magnaten des Internets gewählt wurde. Die Aufmerksamkeitsökonomie schmiedet die Gesellschaft der informations- und demokratischen Atonie. Sie löscht die philosophischen Lichtblicke zugunsten der digitalen Signale.
Es handelt sich jedoch um eine wirtschaftliche Ordnung, und wie jede Ordnung ist sie der Konfrontation und Verbesserung zugänglich. Sie ist nicht identisch mit der digitalen Gesellschaft noch mit der Entwicklung der Datenökonomie. Die Zeit des Kampfes ist gekommen, nicht um die Ablehnung der digitalen Kultur, sondern um ihre Transformation und um die Wiederentdeckung des humanistischen Ideals, das die ersten Utopisten der digitalen Entfaltung inspirierte.
M. P.
Hersteller
- Autor
- Bruno Patino
- Verleger
- Ekdoseis Kastanioti
- Sprache
- Griechisch
- Untertitel
- Eine kurze Abhandlung über den Markt der Aufmerksamkeit
- Umschlag
- Weich
- Anzahl der Seiten
- 160
- Veröffentlichungsdatum
- 6/2020
- Veröffentlichungsdatum
- 2020
- Abmessungen
- 14x20.5 cm
- ISBN-13
- 9789600366945
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