Jahre lang suchte Louise verzweifelt nach ihrem Platz, ohne ihn jemals zu finden. Verloren in einer Welt, die sie nicht verstand, klammerte sie sich verzweifelt an die erste willkommene Frau, und diese brachte sie letztendlich ins Verderben. Allein, verhärtete sie in einer feindlichen Umgebung, in der sie vergeblich versuchte, die Regeln des Spiels zu lernen. Wahrscheinlich wusste sie nichts über ihren Vater. Schon als kleines Mädchen hätte sie sich fragen müssen, warum ihre Mutter nicht wie die anderen war, warum sie beide anders lebten als die Nachbarn.
— Sie ist schön, oder? Das war nicht das Wort, nach dem Maigret suchte, noch entsprach es genau der Realität. Das Mädchen war mit Sicherheit schön, doch es gab etwas mehr, das schwer zu definieren war. Der Fotograf hatte es geschafft, Leben in diese Augen zu bringen, die schienen eine Frage zu stellen, die jedoch unbeantwortet blieb. Auf zwei Abzügen trug sie ihr schwarzes Kleid – auf einem anderen den braun karierten Mantel – und im letzten war sie mit dem Abendkleid zu sehen. Man stellte sich vor, wie sie durch die Straßen von Paris ging, wo es so viele Mädchen wie sie gab, zwischen der Menge eingeklemmt, anhielt, um sich ein wenig die Schaufenster anzusehen, und dann ihren Weg fortsetzte, wohin Gott auch immer wusste. Einmal hatte sie einen Vater, eine Mutter, später in der Schule Mitschülerinnen. Dann kannten sie einige Leute als junge Frau, Frauen, Männer. Sie hatte mit ihnen gesprochen. Sie riefen sie beim Namen. Doch jetzt war sie tot, niemand schien sich an sie zu erinnern, niemand war besorgt, es war, als hätte sie niemals existiert.
INSPEKTOR MAIGRET versucht, die letzten Tage und Stunden im Leben eines Mädchens, das eines Nachts tot auf den Straßen von Paris aufgefunden wurde, zusammenzusetzen. Er versucht, sich in ihre Lage zu versetzen und sich vorzustellen, welche Gedanken und Taten sie hatte. Ihn interessiert der Charakter des Opfers, er sucht danach, das Mädchen kennenzulernen und zu verstehen, indem er denjenigen Fragen stellt, die ihr begegnet sind. Maigrets Interesse an dem Opfer führt ihn zu einer emotionalen Identifikation mit ihr. Eine der stärksten Geschichten von Simenon mit Maigret.
Hersteller
Spezifikationen
- Autor
- Georges Simenon
- Verleger
- Agra
- Ursprünglicher Titel
- Maigret und die junge Tote
- Verlage
- Jagd
- Typ
- Krimi
- Abdeckung
- Weich
- Anzahl der Seiten
- 224
- Veröffentlichungsdatum
- 7/2021
- Veröffentlichungsdatum
- 2021
- Abmessungen
- 12x17 cm
- ISBN-13
- 9789605054410
Zusätzliche Spezifikationen
- Serie
- Jules Maigret
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