Kommt aus dem Westen wie ein riesiger Mund am Himmel. Bereit, die Welt zu verschlingen. Düsterer als die Dunkelheit des Hades. Bedrohlicher als die schwarzen Wellen, die die Armeen des Pharao im Roten Meer ertränkten. Was ist das? Niemand hat so etwas je gesehen. Eine Wolke, die keine Wolke ist. Eine unirdische Dunkelheit in der Ferne des Horizonts, die eilt und die Berge, die Dünen und die Karawanenpfade bedeckt. Ein dunkler Schleier, der sich nähert, unnatürlich und düster. In wenigen Momenten wird sie angekommen sein. Sie wird die Stadt eines verratenen Königs hinwegfegen. An der höchsten Stelle dieser Stadt steht eine römische Aristokratin, die in einem der weiten Flure ihrer Gemächer kurz innehält, um ungestört die Stille zu hören. Es gibt keine Fenster in ihrer Nähe, um das, was aus der Ferne kommt, zu sehen. Doch sie ist ohnehin in ihrer eigenen Welt verloren. Sie hat die Augen geschlossen und lehnt an der Wand, während sie mit der tiefen Wunde kämpft, die ihre Brust brennt.
Auf den ersten Blick scheint sie würdig des Elans und der Großartigkeit, die das Haus ausstrahlt. Sie trägt ein teures, seidiges Hemd, einen goldenen Gürtel und lederne Sandalen, die mit Perlen bestickt sind. Ihr Haar ist nach hinten gebunden und mit kleinen Bronzeblüten geschmückt, ihre Lider und Lippen sind stark geschminkt. Dennoch sieht sie eher wie ein Geist aus, so wie sie in den Schatten des verlassenen Flurs taumelt. Um sie herum erstrecken sich hohe Hallen aus Kalkstein, mit funkelnden weißen Säulen, obszön verziert und mit strengen Büsten. Der Antonierturm. Das administrative Hauptquartier der Römer, das auf dem Gipfel des Mount Moriah emporragt und die nordöstliche Seite des Tempels von Jerusalem einnimmt. Ein Meisterwerk des Luxus, das seinen erdrückenden Schatten auf die erdigen, staubigen Zeltlager des versklavten jüdischen Volkes wirft.