Obwohl das Tuch vor den Augen ist, ist es, als könnte man alles sehen. Alles, was in der Stille geschieht. Die Vorbereitungen. Es herrscht eine erstaunliche Ruhe. Der Duft einer Sommernacht. Nichts anderes. Weder Möwen noch Mücken noch Eulen noch allgemeine Naturgeräusche. Weder das kleinste Kratzen des Sandes an den Beinen des Stuhls. Weder von den anderen Beinen der Stühle. Er ist so jung. In Wirklichkeit hat er keine Ahnung, was ihn erwartet. Dennoch wurde ihm ein Zeitplan gegeben. Er weiß, dass alles zu seinem Besten ist. Es wird weh tun. Aber es wird sich lohnen. Das haben sie ihm gesagt: Es wird sich lohnen. Er ist so klein und doch denkt er an Verrat. Was Verrat in Wirklichkeit ist, ob Verrat Nuancen hat. Und ob dieses hier nicht der schlimmste aller Verrate ist, die man sich vorstellen kann. Es scheint, als könne er den Strand durch das Tuch erkennen, mit dem ihm die Augen verbunden wurden. Dort, wo Sand auf Sand geworfen wird, wo sie ins Wasser tauchen, wo sie sich im Meeresboden die Hände und Knie aufschürfen, wo sie auf den glitschigen Klippen klettern, Rutschen machen, als wären sie auf einer Rutsche, bis ihr Hintern schmerzt, und dann Tieftauchgänge unternehmen, unter Wasser schwimmen und nach bunten Steinen suchen.
Eine seltsame Stille herrscht an diesem Sommerabend. Bis er ein schwaches, kaum wahrnehmbares Knurren hört, fast am Rand des Unhörbaren. Ist das vielleicht ein Motor? Dann verschwindet es wieder. Er denkt, es ist dunkel. Es sollte dunkel sein. Es sollte jetzt in diesen wenigen dunklen Stunden sein, in denen die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Dennoch hat er keine Ahnung. Wirklich keine Ahnung. Aber in ihm wächst etwas. Es ist jenseits seiner Kontrolle. Zwei Dinge wachsen gleichzeitig in ihm. Das eine ist Angst, Schrecken, Grauen. Er weiß, dass das hier zu seinem Besten ist, aber er will nicht wehtun. Er will den Schmerz nicht erwarten. Er hasst, was in den nächsten Minuten dieser Julinacht passieren wird. Dort wird das andere geboren, das ebenfalls in ihm wächst. Es ist die Wut. Die Wut auf den Verrat. Und obwohl er so jung ist, weiß er, dass diese Wut niemals aus ihm verschwinden wird.