In vergangenen Jahrhunderten wurden sexuelle Körperteile und gleichgeschlechtliche Wünsche als Tabu behandelt, die höflichem Gespräch und gedruckter Diskussion entzogen waren. Doch eine wissenschaftliche Disziplin—die Anatomie—hatte die Erlaubnis, die intimen Details des menschlichen Körpers darzustellen und zu erzählen—inklusive Anus und Genitalien.
Präsentationen von zergliederten Körpern und Körperteilen, eingebettet in anatomische Tafeln, waren oft nüchtern technisch. Doch ebenso häufig waren sie monströs, provokativ, flirtend, theatralisch, schön und sogar sinnlich. Queere Anatomien erforschen vernachlässigte Beispiele erotischer Ausdrucksformen innerhalb der anatomischen Bildsprache des 18. und 19. Jahrhunderts. Es enthüllt die subtile Erotik bestimmter anatomischer Abbildungen und die Queerness der Männer, die sie hergestellt, verwendet und gesammelt haben.
Als Grundlagenthema für Ärzte, Chirurgen und Künstler im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts war die Anatomie eine privilegierte, männlich dominierte Domäne. Künstlerische und medizinische Kompetenz hing von tiefgreifendem anatomischem Wissen ab und verlieh den Praktizierenden kulturelle Legitimität, heilende Autorität und ästhetisches Urteilsvermögen. Das anatomische Bild konnte als virtueller queerer Raum, ein privater oder gemeinsamer Schrank oder ein Männerclub fungieren. Ernsthafte anatomische Themen waren oft mit erotischen, häufig homoerotischen Untertönen aufgeladen.
Ausgehend von brillanten Werken von Gautier Dagoty, William Cheselden, Joseph Maclise und vielen anderen, vereint Queere Anatomien ein verlorenes Archiv queerer Ausdrucksformen—115 Illustrationen in vollfarbiger Reproduktion—das reicht von Darstellungen von Nackten, zergliederte Körper, Penisse, Vagina, Anus, Hände, Gesichter und Haut bis hin zu Szenen, in denen männliche Betrachter Kunstwerke betrachten, die anatomischen Prinzipien folgen. Doch die Männer, die anatomische Abbildungen produzierten und genossen, waren zurückhaltend, closeted.
Indem es diese textlichen und repräsentationalen Räume durch essayistische Reflexion erforscht, entschlüsselt Queere Anatomien ihre Worte und Bilder, sogar ihre Schweigen. Durch eine Vielzahl von Nahanalysen und dem Vergleich wichtiger Bilder deckt dieses Buch die Verbindungen zwischen Medizingeschichte, Kennerkult, Queerstudien, Kunstgeschichte und der wenig erforschten Beziehung zwischen Anatomie und Wunsch auf.
Hersteller
- Verleger
- Bloomsbury
- Typ
- Geisteswissenschaften, Anatomie, Kultur
- Sprache
- Englisch
- Untertitel
- -
- Umschlag
- Weich
- Anzahl der Seiten
- 280
- Veröffentlichungsdatum
- 10/2024
- Veröffentlichungsdatum
- 2024
- Abmessungen
- 15.6x23.4 cm
- ISBN-13
- 9781350400870
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