Griechische Belletristik-Bücher

Η Γέννηση ενός Θρύλου

Autor: Nikos Gavalas

PIRAEUS, 1920er Jahre. Die Stadt atmet noch im Schatten einer turbulenten Zeit und lernt erneut zu hoffen. In den Gassen, im Hafen und auf den Plätzen, zwischen Menschen, die um ihre Würde kämpfen,...

PIRAEUS, 1920er Jahre. Die Stadt atmet noch im Schatten einer turbulenten Zeit und lernt erneut zu hoffen. In den Gassen, im Hafen und auf den Plätzen, zwischen Menschen, die um ihre Würde kämpfen, und Flüchtlingen, die um einen Neuanfang bemüht sind, entsteht eine Idee, die die Geschichte des griechischen Sports für immer verändern soll.

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Merkmale

Genre: Prosa
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    Es wurde schon oft geschrieben (und durchaus zu Recht!), dass Fußball die „demokratischste“ Sportart ist, die bis heute erfunden wurde. Man muss nicht groß, schnell, beweglich, intelligent, stark, reich usw. sein, um selbst auf höchstem Niveau „gegen den Ball zu treten“; harte Trainingsarbeit, Teamgeist, Selbstlosigkeit und ein TRAUM genügen. Es handelt sich um eine der kostengünstigsten Aktivitäten, denen man nachgehen kann: eine Straße oder ein freies Gelände, zwei Steine oder zwei Kisten als Torpfosten, ein Ball oder sogar eine Plastikflasche – und schon beginnt das Spiel. Fußball „[…] ist vielleicht das einzige Gesprächsthema, das einen Universitätsprofessor und einen Straßenkehrer als gleichberechtigte Gesprächspartner an einen Tisch bringen kann. Das ist die Kraft des Fußballs“, merkt Nikos Gavalas an.
    Die Gründe für die Beliebtheit, der sich das „runde Leder“ erfreut, liegen also auf der Hand, ebenso wie die Ursachen dafür, dass eine vergleichsweise simple Sportart zum Ausdruck – unter anderem – ideologischer, gesellschaftlicher und vor allem geografischer Identitäten wird.
    Was aber ist OLYMPIAKOS? Denn obwohl wir von der weltweit größten Mehrspartenorganisation sprechen können (gemessen an den Sportarten, die sie auf Spitzenniveau betreibt, und an den gewonnenen Titeln), ist OLYMPIAKOS ein fußballgeprägter FANVERBAND (und kein Sportverein).
    Um OLYMPIAKOS zu verstehen, muss man Piräus verstehen. Und um Piräus (im Wesentlichen die ehemalige Präfektur Piräus) zu verstehen, muss man sich damit befassen, wie und warum der überzentralisierte (athenzentrierte) neue griechische Staat entstanden ist. Folglich mag die Idee des verstorbenen „Panathinaikos“-Anhängers Georgios Kalafatis, „eine Stadt, eine Mannschaft“, zwar fußballerisch wegweisend und ideologisch durchaus naheliegend gewesen sein – auch wenn sie sportlich vom Panellinios G.S. inspiriert war –, doch Gestalt angenommen hat sie nur in Piräus, mit dem LEGENDÄREN. Warum das geschah, ist schon oft und von vielen erörtert worden.

    OLYMPIAKOS war die erste bewusst organisierte Massenstimme „der Menschen, die keine Stimme haben, der Menschen, die sich Tag für Tag abmühen, ihre Familien zu ernähren“ – einer in Bildung, sozialer Stellung, Herkunft, politischer Einstellung usw. bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft. Die Besonderheit des sozialen Phänomens namens OLYMPIAKOS liegt darin, dass es nicht nur eine soziale Klassenzugehörigkeit zum Ausdruck brachte (arm–reich), sondern auch eine geografische Dimension hatte, denn bedeutende, aus eigener Kraft aufgestiegene Unternehmer in der Provinz mussten buchstäblich gegen die unersättlichen Ambitionen und Begierden eines zentralistischen – athenzentrierten – Staates ums Überleben kämpfen, der alles verschlang, was sich ihm in den Weg stellte.
    Piräus zu Beginn des 20. Jahrhunderts – eine Stadt, die einst ein Vorbild und die treibende Kraft der griechischen Produktivität gewesen war – fand sich verlassen, erschöpft, verleumdet und sogar verstümmelt wieder (beginnend 1925 mit der Abtrennung von Neo Faliro). Doch die Stadt wartete auf ihre Stunde, um mit WUCHT zum Gegenangriff überzugehen, ihren verlorenen Glanz zurückzufordern und jene „zu bestrafen“, die sie entehrt und verraten hatten. Die gesamte Provinz, aber auch die Arbeiterviertel und die kleinbürgerlichen Vororte im Zentrum, die sich immer weiter ausbreiteten, schlossen sich an; ÜBERALL IST PIRÄUS.
    OLYMPIAKOS war die Speerspitze des Widerstands und Gegenangriffs der griechischen Gesellschaft – nicht zufällig aus dem Kohlenstaub des Radstadions von Faliro heraus – gegen die athenzentrierte Politik des Establishments und jener, die ihm zu Füßen lagen. Der LEGENDÄRE und der Rebetiko waren Bollwerke gegen eine vom Zentrum aufgezwungene elitäre politische Korrektheit, die dem gesellschaftlichen, ethnischen, politischen und geografischen Ausschluss diente.

    Es liegt auf der Hand, dass sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts vieles verändert hat. Dennoch wurden den Gegnern des LEGENDÄREN zahlreiche fantastische Erzählungen eingeimpft, vor allem indem Teile der Geschichte aus Gründen des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausgelöscht wurden. Tatsache ist, dass die Art und Weise, wie dies geschah und geschieht, weder nationalen noch ideologischen oder auch nur fanbezogenen Interessen dient, sondern ausschließlich eigennützigen Zwecken. Und wie sich gezeigt hat, schaffen Geschichtsfälschung und Lücken in der Geschichtsschreibung wohl eher Raum für stärkere Polarisierung, lassen keinen Platz für Zugeständnisse und verhindern letztlich eine Entschärfung der Leidenschaften. Die Identität, die Vision und die Gefühle, die einst an einem bestimmten Ort entstanden und Wurzeln geschlagen haben, hatten ihre Gründe dafür – und wirken fort. Letztlich müssen wir sie kennen, „damit wir nicht die Orientierung verlieren.“
    Mit diesem Buch nimmt uns Nikos Gavalas mit in die frühe Gründungsphase von OLYMPIAKOS. In einfacher Sprache und in einem äußerst geschmackvoll gestalteten Band gelingt es ihm meisterhaft, keine Fanleidenschaften und keinen Fanatismus zu schüren, sondern den Geist jener Zeit und ihrer Protagonisten unverfälscht zu vermitteln.

    Übersetzt von Griechisch ·
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  • Es wurde schon oft geschrieben (und durchaus zu Recht!), dass Fußball die „demokratischste“ Sportart ist, die bis heute erfunden wurde. Man muss nicht groß, schnell, beweglich, intelligent, stark, reich usw. sein, um selbst auf höchstem Niveau „gegen den Ball zu treten“; harte Trainingsarbeit, Teamgeist, Selbstlosigkeit und ein TRAUM genügen. Es handelt sich um eine der kostengünstigsten Aktivitäten, denen man nachgehen kann: eine Straße oder ein freies Gelände, zwei Steine oder zwei Kisten als Torpfosten, ein Ball oder sogar eine Plastikflasche – und schon beginnt das Spiel. Fußball „[…] ist vielleicht das einzige Gesprächsthema, das einen Universitätsprofessor und einen Straßenkehrer als gleichberechtigte Gesprächspartner an einen Tisch bringen kann. Das ist die Kraft des Fußballs“, merkt Nikos Gavalas an.
    Die Gründe für die Beliebtheit, der sich das „runde Leder“ erfreut, liegen also auf der Hand, ebenso wie die Ursachen dafür, dass eine vergleichsweise simple Sportart zum Ausdruck – unter anderem – ideologischer, gesellschaftlicher und vor allem geografischer Identitäten wird.
    Was aber ist OLYMPIAKOS? Denn obwohl wir von der weltweit größten Mehrspartenorganisation sprechen können (gemessen an den Sportarten, die sie auf Spitzenniveau betreibt, und an den gewonnenen Titeln), ist OLYMPIAKOS ein fußballgeprägter FANVERBAND (und kein Sportverein).
    Um OLYMPIAKOS zu verstehen, muss man Piräus verstehen. Und um Piräus (im Wesentlichen die ehemalige Präfektur Piräus) zu verstehen, muss man sich damit befassen, wie und warum der überzentralisierte (athenzentrierte) neue griechische Staat entstanden ist. Folglich mag die Idee des verstorbenen „Panathinaikos“-Anhängers Georgios Kalafatis, „eine Stadt, eine Mannschaft“, zwar fußballerisch wegweisend und ideologisch durchaus naheliegend gewesen sein – auch wenn sie sportlich vom Panellinios G.S. inspiriert war –, doch Gestalt angenommen hat sie nur in Piräus, mit dem LEGENDÄREN. Warum das geschah, ist schon oft und von vielen erörtert worden.

    OLYMPIAKOS war die erste bewusst organisierte Massenstimme „der Menschen, die keine Stimme haben, der Menschen, die sich Tag für Tag abmühen, ihre Familien zu ernähren“ – einer in Bildung, sozialer Stellung, Herkunft, politischer Einstellung usw. bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft. Die Besonderheit des sozialen Phänomens namens OLYMPIAKOS liegt darin, dass es nicht nur eine soziale Klassenzugehörigkeit zum Ausdruck brachte (arm–reich), sondern auch eine geografische Dimension hatte, denn bedeutende, aus eigener Kraft aufgestiegene Unternehmer in der Provinz mussten buchstäblich gegen die unersättlichen Ambitionen und Begierden eines zentralistischen – athenzentrierten – Staates ums Überleben kämpfen, der alles verschlang, was sich ihm in den Weg stellte.
    Piräus zu Beginn des 20. Jahrhunderts – eine Stadt, die einst ein Vorbild und die treibende Kraft der griechischen Produktivität gewesen war – fand sich verlassen, erschöpft, verleumdet und sogar verstümmelt wieder (beginnend 1925 mit der Abtrennung von Neo Faliro). Doch die Stadt wartete auf ihre Stunde, um mit WUCHT zum Gegenangriff überzugehen, ihren verlorenen Glanz zurückzufordern und jene „zu bestrafen“, die sie entehrt und verraten hatten. Die gesamte Provinz, aber auch die Arbeiterviertel und die kleinbürgerlichen Vororte im Zentrum, die sich immer weiter ausbreiteten, schlossen sich an; ÜBERALL IST PIRÄUS.
    OLYMPIAKOS war die Speerspitze des Widerstands und Gegenangriffs der griechischen Gesellschaft – nicht zufällig aus dem Kohlenstaub des Radstadions von Faliro heraus – gegen die athenzentrierte Politik des Establishments und jener, die ihm zu Füßen lagen. Der LEGENDÄRE und der Rebetiko waren Bollwerke gegen eine vom Zentrum aufgezwungene elitäre politische Korrektheit, die dem gesellschaftlichen, ethnischen, politischen und geografischen Ausschluss diente.

    Es liegt auf der Hand, dass sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts vieles verändert hat. Dennoch wurden den Gegnern des LEGENDÄREN zahlreiche fantastische Erzählungen eingeimpft, vor allem indem Teile der Geschichte aus Gründen des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausgelöscht wurden. Tatsache ist, dass die Art und Weise, wie dies geschah und geschieht, weder nationalen noch ideologischen oder auch nur fanbezogenen Interessen dient, sondern ausschließlich eigennützigen Zwecken. Und wie sich gezeigt hat, schaffen Geschichtsfälschung und Lücken in der Geschichtsschreibung wohl eher Raum für stärkere Polarisierung, lassen keinen Platz für Zugeständnisse und verhindern letztlich eine Entschärfung der Leidenschaften. Die Identität, die Vision und die Gefühle, die einst an einem bestimmten Ort entstanden und Wurzeln geschlagen haben, hatten ihre Gründe dafür – und wirken fort. Letztlich müssen wir sie kennen, „damit wir nicht die Orientierung verlieren.“
    Mit diesem Buch nimmt uns Nikos Gavalas mit in die frühe Gründungsphase von OLYMPIAKOS. In einfacher Sprache und in einem äußerst geschmackvoll gestalteten Band gelingt es ihm meisterhaft, keine Fanleidenschaften und keinen Fanatismus zu schüren, sondern den Geist jener Zeit und ihrer Protagonisten unverfälscht zu vermitteln.

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PIRAEUS, 1920er Jahre. Die Stadt atmet noch im Schatten einer turbulenten Zeit und lernt erneut zu hoffen. In den Gassen, im Hafen und auf den Plätzen, zwischen Menschen, die um ihre Würde kämpfen, und Flüchtlingen, die um einen Neuanfang bemüht sind, entsteht eine Idee, die die Geschichte des griechischen Sports für immer verändern soll.

Mit Hintergrund echter Ereignisse, authentischer Berichte und historischer Persönlichkeiten entfaltet der Autor nach und nach das Chronik der Gründung und der ersten Schritte des Olympischen Vereins Piraeus, und deckt auf, wie der Traum einer Clique sich in ein Symbol einer Stadt verwandelte und in das Herz eines Volkes wurzelte.

Denn... Legenden werden geboren und wachsen durch unerschütterlichen Glauben, unermüdlichen Kampf und die Leidenschaft derjenigen, die es wagen zu träumen.

Hersteller

Autor
Nikos Gavalas
Verleger
Ellinoekdotiki
Verlage
Ελληνοεκδοτική
Typ
Prosa
Untertitel
-
Abdeckung
Weich
Anzahl der Seiten
-
Veröffentlichungsdatum
-
Veröffentlichungsdatum
-
Abmessungen
-
ISBN-13
9789605637859

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    Die Gründe für die Beliebtheit, der sich das „runde Leder“ erfreut, liegen also auf der Hand, ebenso wie die Ursachen dafür, dass eine vergleichsweise simple Sportart zum Ausdruck – unter anderem – ideologischer, gesellschaftlicher und vor allem geografischer Identitäten wird.
    Was aber ist OLYMPIAKOS? Denn obwohl wir von der weltweit größten Mehrspartenorganisation sprechen können (gemessen an den Sportarten, die sie auf Spitzenniveau betreibt, und an den gewonnenen Titeln), ist OLYMPIAKOS ein fußballgeprägter FANVERBAND (und kein Sportverein).
    Um OLYMPIAKOS zu verstehen, muss man Piräus verstehen. Und um Piräus (im Wesentlichen die ehemalige Präfektur Piräus) zu verstehen, muss man sich damit befassen, wie und warum der überzentralisierte (athenzentrierte) neue griechische Staat entstanden ist. Folglich mag die Idee des verstorbenen „Panathinaikos“-Anhängers Georgios Kalafatis, „eine Stadt, eine Mannschaft“, zwar fußballerisch wegweisend und ideologisch durchaus naheliegend gewesen sein – auch wenn sie sportlich vom Panellinios G.S. inspiriert war –, doch Gestalt angenommen hat sie nur in Piräus, mit dem LEGENDÄREN. Warum das geschah, ist schon oft und von vielen erörtert worden.

    OLYMPIAKOS war die erste bewusst organisierte Massenstimme „der Menschen, die keine Stimme haben, der Menschen, die sich Tag für Tag abmühen, ihre Familien zu ernähren“ – einer in Bildung, sozialer Stellung, Herkunft, politischer Einstellung usw. bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft. Die Besonderheit des sozialen Phänomens namens OLYMPIAKOS liegt darin, dass es nicht nur eine soziale Klassenzugehörigkeit zum Ausdruck brachte (arm–reich), sondern auch eine geografische Dimension hatte, denn bedeutende, aus eigener Kraft aufgestiegene Unternehmer in der Provinz mussten buchstäblich gegen die unersättlichen Ambitionen und Begierden eines zentralistischen – athenzentrierten – Staates ums Überleben kämpfen, der alles verschlang, was sich ihm in den Weg stellte.
    Piräus zu Beginn des 20. Jahrhunderts – eine Stadt, die einst ein Vorbild und die treibende Kraft der griechischen Produktivität gewesen war – fand sich verlassen, erschöpft, verleumdet und sogar verstümmelt wieder (beginnend 1925 mit der Abtrennung von Neo Faliro). Doch die Stadt wartete auf ihre Stunde, um mit WUCHT zum Gegenangriff überzugehen, ihren verlorenen Glanz zurückzufordern und jene „zu bestrafen“, die sie entehrt und verraten hatten. Die gesamte Provinz, aber auch die Arbeiterviertel und die kleinbürgerlichen Vororte im Zentrum, die sich immer weiter ausbreiteten, schlossen sich an; ÜBERALL IST PIRÄUS.
    OLYMPIAKOS war die Speerspitze des Widerstands und Gegenangriffs der griechischen Gesellschaft – nicht zufällig aus dem Kohlenstaub des Radstadions von Faliro heraus – gegen die athenzentrierte Politik des Establishments und jener, die ihm zu Füßen lagen. Der LEGENDÄRE und der Rebetiko waren Bollwerke gegen eine vom Zentrum aufgezwungene elitäre politische Korrektheit, die dem gesellschaftlichen, ethnischen, politischen und geografischen Ausschluss diente.

    Es liegt auf der Hand, dass sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts vieles verändert hat. Dennoch wurden den Gegnern des LEGENDÄREN zahlreiche fantastische Erzählungen eingeimpft, vor allem indem Teile der Geschichte aus Gründen des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausgelöscht wurden. Tatsache ist, dass die Art und Weise, wie dies geschah und geschieht, weder nationalen noch ideologischen oder auch nur fanbezogenen Interessen dient, sondern ausschließlich eigennützigen Zwecken. Und wie sich gezeigt hat, schaffen Geschichtsfälschung und Lücken in der Geschichtsschreibung wohl eher Raum für stärkere Polarisierung, lassen keinen Platz für Zugeständnisse und verhindern letztlich eine Entschärfung der Leidenschaften. Die Identität, die Vision und die Gefühle, die einst an einem bestimmten Ort entstanden und Wurzeln geschlagen haben, hatten ihre Gründe dafür – und wirken fort. Letztlich müssen wir sie kennen, „damit wir nicht die Orientierung verlieren.“
    Mit diesem Buch nimmt uns Nikos Gavalas mit in die frühe Gründungsphase von OLYMPIAKOS. In einfacher Sprache und in einem äußerst geschmackvoll gestalteten Band gelingt es ihm meisterhaft, keine Fanleidenschaften und keinen Fanatismus zu schüren, sondern den Geist jener Zeit und ihrer Protagonisten unverfälscht zu vermitteln.

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  • Es wurde schon oft geschrieben (und durchaus zu Recht!), dass Fußball die „demokratischste“ Sportart ist, die bis heute erfunden wurde. Man muss nicht groß, schnell, beweglich, intelligent, stark, reich usw. sein, um selbst auf höchstem Niveau „gegen den Ball zu treten“; harte Trainingsarbeit, Teamgeist, Selbstlosigkeit und ein TRAUM genügen. Es handelt sich um eine der kostengünstigsten Aktivitäten, denen man nachgehen kann: eine Straße oder ein freies Gelände, zwei Steine oder zwei Kisten als Torpfosten, ein Ball oder sogar eine Plastikflasche – und schon beginnt das Spiel. Fußball „[…] ist vielleicht das einzige Gesprächsthema, das einen Universitätsprofessor und einen Straßenkehrer als gleichberechtigte Gesprächspartner an einen Tisch bringen kann. Das ist die Kraft des Fußballs“, merkt Nikos Gavalas an.
    Die Gründe für die Beliebtheit, der sich das „runde Leder“ erfreut, liegen also auf der Hand, ebenso wie die Ursachen dafür, dass eine vergleichsweise simple Sportart zum Ausdruck – unter anderem – ideologischer, gesellschaftlicher und vor allem geografischer Identitäten wird.
    Was aber ist OLYMPIAKOS? Denn obwohl wir von der weltweit größten Mehrspartenorganisation sprechen können (gemessen an den Sportarten, die sie auf Spitzenniveau betreibt, und an den gewonnenen Titeln), ist OLYMPIAKOS ein fußballgeprägter FANVERBAND (und kein Sportverein).
    Um OLYMPIAKOS zu verstehen, muss man Piräus verstehen. Und um Piräus (im Wesentlichen die ehemalige Präfektur Piräus) zu verstehen, muss man sich damit befassen, wie und warum der überzentralisierte (athenzentrierte) neue griechische Staat entstanden ist. Folglich mag die Idee des verstorbenen „Panathinaikos“-Anhängers Georgios Kalafatis, „eine Stadt, eine Mannschaft“, zwar fußballerisch wegweisend und ideologisch durchaus naheliegend gewesen sein – auch wenn sie sportlich vom Panellinios G.S. inspiriert war –, doch Gestalt angenommen hat sie nur in Piräus, mit dem LEGENDÄREN. Warum das geschah, ist schon oft und von vielen erörtert worden.

    OLYMPIAKOS war die erste bewusst organisierte Massenstimme „der Menschen, die keine Stimme haben, der Menschen, die sich Tag für Tag abmühen, ihre Familien zu ernähren“ – einer in Bildung, sozialer Stellung, Herkunft, politischer Einstellung usw. bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft. Die Besonderheit des sozialen Phänomens namens OLYMPIAKOS liegt darin, dass es nicht nur eine soziale Klassenzugehörigkeit zum Ausdruck brachte (arm–reich), sondern auch eine geografische Dimension hatte, denn bedeutende, aus eigener Kraft aufgestiegene Unternehmer in der Provinz mussten buchstäblich gegen die unersättlichen Ambitionen und Begierden eines zentralistischen – athenzentrierten – Staates ums Überleben kämpfen, der alles verschlang, was sich ihm in den Weg stellte.
    Piräus zu Beginn des 20. Jahrhunderts – eine Stadt, die einst ein Vorbild und die treibende Kraft der griechischen Produktivität gewesen war – fand sich verlassen, erschöpft, verleumdet und sogar verstümmelt wieder (beginnend 1925 mit der Abtrennung von Neo Faliro). Doch die Stadt wartete auf ihre Stunde, um mit WUCHT zum Gegenangriff überzugehen, ihren verlorenen Glanz zurückzufordern und jene „zu bestrafen“, die sie entehrt und verraten hatten. Die gesamte Provinz, aber auch die Arbeiterviertel und die kleinbürgerlichen Vororte im Zentrum, die sich immer weiter ausbreiteten, schlossen sich an; ÜBERALL IST PIRÄUS.
    OLYMPIAKOS war die Speerspitze des Widerstands und Gegenangriffs der griechischen Gesellschaft – nicht zufällig aus dem Kohlenstaub des Radstadions von Faliro heraus – gegen die athenzentrierte Politik des Establishments und jener, die ihm zu Füßen lagen. Der LEGENDÄRE und der Rebetiko waren Bollwerke gegen eine vom Zentrum aufgezwungene elitäre politische Korrektheit, die dem gesellschaftlichen, ethnischen, politischen und geografischen Ausschluss diente.

    Es liegt auf der Hand, dass sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts vieles verändert hat. Dennoch wurden den Gegnern des LEGENDÄREN zahlreiche fantastische Erzählungen eingeimpft, vor allem indem Teile der Geschichte aus Gründen des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausgelöscht wurden. Tatsache ist, dass die Art und Weise, wie dies geschah und geschieht, weder nationalen noch ideologischen oder auch nur fanbezogenen Interessen dient, sondern ausschließlich eigennützigen Zwecken. Und wie sich gezeigt hat, schaffen Geschichtsfälschung und Lücken in der Geschichtsschreibung wohl eher Raum für stärkere Polarisierung, lassen keinen Platz für Zugeständnisse und verhindern letztlich eine Entschärfung der Leidenschaften. Die Identität, die Vision und die Gefühle, die einst an einem bestimmten Ort entstanden und Wurzeln geschlagen haben, hatten ihre Gründe dafür – und wirken fort. Letztlich müssen wir sie kennen, „damit wir nicht die Orientierung verlieren.“
    Mit diesem Buch nimmt uns Nikos Gavalas mit in die frühe Gründungsphase von OLYMPIAKOS. In einfacher Sprache und in einem äußerst geschmackvoll gestalteten Band gelingt es ihm meisterhaft, keine Fanleidenschaften und keinen Fanatismus zu schüren, sondern den Geist jener Zeit und ihrer Protagonisten unverfälscht zu vermitteln.

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