Ein ungehorsamer Soldat wird zum Tode verurteilt. Das Urteil wird von einer „exzentrischen“ Maschine vollstreckt, indem es mit scharfen Stacheln auf seinen nackten Körper sein Vergehen eingraviert. Zwei Personen spielen eine entscheidende Rolle: Der Offizier, der sich nur für das reibungslose Funktionieren der Maschine interessiert, und der forschende Reisende, der, obwohl er seinen Widerspruch äußert, letztlich passiv bleibt und sich beeilt, diesen tristen Ort zu verlassen.
Dieser herausragende und zugleich rätselhafte Text hat zahlreiche Interpretationen hervorgerufen. Ob als Allegorie für die monstrosen Seiten von gesetzlosen Gesellschaften verstanden, als Kritik an der Barbarei, zu der die Verehrung der Technologie führt, oder im engeren historischen Kontext der Zeit, in der er geschrieben wurde (1914), stellt die Strafkolonie eine moralische Frage. Es sind nicht nur die Täter verantwortlich für das Verüben des Verbrechens; mitverantwortlich sind auch die Passiven, die zögerten und nicht verhinderten, dass das Böse die Oberhand gewann.
Mit der Klarheit eines alptraumhaften Traums kündigt der Text von Kafka mit bewundernswerter Weitsicht das an, was kurz darauf im Herzen Europas geschah.
„Der Reisende ist die zentrale Figur dieser Erzählung, und zusammen mit ihm der durchschnittliche Europäer, also der Leser. Dieser Europäer wird mit Praktiken konfrontiert, die von Europäern, wenn auch an fernen Orten angewendet werden, die er als äußerst ungerecht und unmenschlich empfindet und die gleichzeitig seine Auffassung von Humanismus an die Grenzen treiben. Sein Humanismus wird als konventionelles Verhalten auf die Probe gestellt, das zwar zwischen kultivierten Menschen an einem Teetisch funktioniert, jedoch außerhalb dieser zivilisierten Kreise in Frage gestellt wird. In der strafrechtlichen Kolonie stößt er auf die Grenzen der europäischen Kultur, die, an diesen Grenzen vielmehr als im Kern, sich als äußerst fragil erweist. Der Reisende wird aus dieser Erfahrung fliehen.“ H.D. ZIMMERMANN, „Die Täter und die Passiven“, S. 105.
„Fragt nicht nach dem Sinn der Geschichte. Es gibt keinen Sinn. […] Vielleicht gehört dieses Buch nicht in seine Zeit […]. Es ist vollkommen unvorstellbar.“ K. TUCHOLSKY, S. 129.
Hersteller
- Autor
- Franz Kafka
- Verleger
- Kichli
- Verlage
- Kichle
- Typ
- Klassische Literatur
- Abdeckung
- Weich
- Anzahl der Seiten
- 192
- Veröffentlichungsdatum
- 2/2017
- Veröffentlichungsdatum
- 2017
- Abmessungen
- 11.8x16.5 cm
- ISBN-13
- 9786185004514
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