Mitten im Wasser des Ägäischen Meeres
Letzten Sommer war ich auf einer der Inseln des Ägäischen Meeres beeindruckt von einer großen, luxuriösen Yacht, die im Hafen festmachte und alle Blicke auf sich zog. Neben der Yacht, am Kai, spielten barfuß Kinder, Kinder von Flüchtlingen…
Das war alles. Ein Moment, ein Blick.
Und die Zeit hörte auf, für mich zu zählen.
Ich tauchte ein in ein Feuermeer, in die Geschichte von Orestes. Ich tauchte auch in das Leben von Iliana ein. Beide meine Helden halfen mir, mich mit mir selbst zu versöhnen. Mit meinen Fehlern, meinen Unsicherheiten.
Ich schreibe und schreibe immer wieder über die Rolle der Familie bei der Erziehung des Kindes, über die wertvolle Rolle der Mutter.
Bei einer Veranstaltung zu meinem Roman „Zwei Küsse für Amelia“ fragte mich eine Leserin, die ohne Mutter aufgewachsen ist, ob die Vergangenheit die Zukunft beeinflusst. Ob sie letztlich das bestimmt, was kommt. Haben Waisenkinder, Kinder mit gleichgültigen Eltern, eine Zukunft? Ist ihre emotionale und psychologische Entwicklung reibungslos?
Orestes und Iliana. Ein Junge, ein Mädchen.
Gibt es eine Zukunft für diese unschuldigen, verletzlichen Wesen?
Viele Menschen sind nicht für Eltern geboren. Viele Kinder kennen die reine, großherzige Liebe einer Mutter nicht. Sie spüren keine Zärtlichkeit, Fürsorge, Sicherheit. Und was dann? Was passiert dann?
Welche Erfahrungen trägt ein Kind in sich, das ohne Mutter oder Vater aufgewachsen ist, mit abweisenden oder gleichgültigen Eltern?
Ablehnung ist eine Form des Verlustes. Das Kind weiß nicht, wie es damit umgehen soll. Findet es vielleicht doch seinen Weg allein, zieht es alles, was es braucht, aus anderen Menschen, die ihm nahe stehen und zur Charakterbildung beitragen? Helfen seine Erinnerungen? Die Düfte seines Herzens? Der eigene Schmerz, der es schafft, ihn in eine Umarmung zu verwandeln?