Mein Vater hätte fast meine Mutter an einem Sonntag im Juni, früh am Nachmittag, umgebracht. Ich war wie gewohnt um Viertel vor zwölf in die Kirche gegangen. Ich musste die Süßigkeiten aus der Konditorei holen, die im neuen Einkaufszentrum der Stadt eröffnet hatte, einem Komplex aus temporären Gebäuden, die nach dem Krieg gebaut wurden, im Hinblick auf den Wiederaufbau. Auf dem Heimweg zog ich meine Sonntagskleidung aus und zog ein Kleid an, das sich leicht waschen ließ. Sobald die Kunden weg waren und die Rollläden wieder an ihrem Platz im Schaufenster des Lebensmittelgeschäfts waren, aßen wir zu Mittag, natürlich mit eingeschaltetem Radio, weil zu dieser Zeit eine humorvolle Sendung lief, „Das Gericht“, mit Yves Deniau in der Rolle eines elenden Gerichtsdieners, der ständig wegen lächerlicher Vergehen beschuldigt wurde, und der Richter mit zitternder Stimme ihm lustige Strafen auferlegte. Meine Mutter war schlecht gelaunt. Der Streit, der mit meinem Vater begann, sobald er sich an den Tisch setzte, dauerte die ganze Mahlzeit über. Sie sammelte die Teller ein, wischte den Boden, warf aber weiterhin Beschuldigungen gegen meinen Vater, drehte sich in der Küche umher, so klein war sie, eingeklemmt zwischen dem Café und der Treppe, die nach oben führte, wie jedes Mal, wenn sie schlecht gelaunt war.
„Mein Vater versuchte, meine Mutter an einem Junisonntag früh nachmittags zu töten“: Das Buch erzählt die Geschichte eines Zwölfjährigen, betrifft jedoch auch die Erzählerin, eine reife Frau, die die Autorin selbst ist. Der gewalttätige Moment lebt in ihr. Das Trauma kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sie sich ihren Eltern so nahe fühlt, dass die drohende gewalttätige Tat für sie unverständlich ist. Es zerreißt sie wie eine Axt.
Mit der Zeit erstarrt die Erinnerung, bis sie nicht mehr als ein Schnappschuss ist, den sie in ihrer Brieftasche trägt, unverändert selbst nach Jahren, als das Zwölfjährige zu einer Frau und Schriftstellerin geworden ist. Jahre später ist die Wunde immer noch da, doch ihr ganzes Wesen hat sich um sie herum genährt wie der Baum, der, obwohl er vom Blitz getroffen wurde, überlebt hat.
Mit der emotional reichhaltigen Stimme großer Literatur und dem scharfen analytischen Blick einer Wissenschaftlerin bietet Annie Ernaux eine starke Reflexion über die Erfahrung und die Kraft einer gewalttätigen Erinnerung, die der Zeit standhält und den Verlauf eines Lebens bestimmt.
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Hersteller
Produktanleitungen
- Autor
- Annie Ernaux
- Verleger
- Metaichmio
- Ursprünglicher Titel
- Die Schande
- Verlage
- Schwellenwert
- Typ
- Prosa
- Abdeckung
- Weich
- Anzahl der Seiten
- 136
- Veröffentlichungsdatum
- 6/2023
- Veröffentlichungsdatum
- 2023
- Abmessungen
- 13x20 cm
- ISBN-13
- 9786180335712
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