Es war die Zeit, in der ich mehr denn je wünschte, schlafen zu können. Das Gymnasium. Oder war vielleicht Reinigungsvorgang das passendere Wort? Wenn es eine Möglichkeit gäbe, meine Sünden zu sühnen, würde das sicher ziemlich auf die Waage fallen. Die Ferien waren nichts, an das ich mich gewöhnen konnte – jeder Tag schien mir unerträglich monotoner als der vorherige. Vielleicht war das mein eigener Schlaf – wenn man Schlaf als eine Phase der Untätigkeit zwischen den Aktivitätsperioden definiert. Ich starrte auf die Risse im Putz in der Ecke des Restaurants, stellte mir vor, sie bildeten unwirkliche Muster. Das war eine Möglichkeit, die Stimmen zu ignorieren, die wie ein Strom in meinem Kopf plärrten. Hunderte dieser Stimmen ignorierte ich vor Langeweile. Was das menschliche Gehirn betrifft, hatte ich schon alles gehört, und zwar viele Male. An diesem Tag dominierte in meinen Gedanken das nebensächliche Drama eines neuen Mitglieds in der kleinen Runde der Schüler. Sie konnten durch so eine Kleinigkeit aufgebracht werden. Ich hatte das neue Gesicht in jedem Gedanken wiederholt gesehen, aus jeder Perspektive. Ein gewöhnliches Mädchen. Die Begeisterung über ihre Ankunft war ermüdend vorhersehbar – es war die gleiche Reaktion, die eine Gruppe von Kindern zeigen würde, wenn man ihnen einen funkelnden Gegenstand zeigt.
Ich versuchte noch mehr, sie zu ignorieren. Nur vier Stimmen versuchte ich nicht zu hören, aus Höflichkeit und nicht aus Abscheu: die meiner Familie, der beiden Mädchen und der beiden Jungen, die so an den Mangel an Privatsphäre durch meine Anwesenheit gewöhnt waren, dass sie sich kaum darum kümmerten. Ich tat, was ich konnte. Ich versuchte, nicht zu hören, wenn es möglich war. So sehr ich auch versuchte... ich wusste es. Rosalie dachte wie üblich an sich selbst – ihr Geist war ein ruhiger See mit kaum Überraschungen. Sie hatte ihr Spiegelbild in den Brillengläsern eines anderen gesehen und dachte an ihre Perfektion. Niemand anderes’ Haare kamen dem echten Gold näher, niemand anderes’ Körper sah so perfekt wie eine Sanduhr aus, niemand anderes’ Gesicht war so makellos, symmetrisch oval. Sie verglich sich nicht mit den Menschen um sie herum – der Vergleich wäre lächerlich, absurd. Sie dachte an andere wie uns, aber niemand kam an sie heran.